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7. Februar 2013 / AL

Was ist eigentlich Geldpolitik?

„Seit ich Notenbanker geworden bin, habe ich gelernt, in großer Zusammenhanglosigkeit zu murmeln. Wenn ich Ihnen über Gebühr klar erscheine, müssen Sie falsch verstanden haben, was ich gesagt habe.“
Alan Greenspan, Präsident der US-Notenbank, 1987 vor dem US-Kongreß

Mögliche Ziele der Geldpolitik
Geldpolitik ist ein Sammelbegriff für alle Aktionen der Zentralbank, die den Geldmarkt und/oder die Gesamtwirtschaft beeinflussen sollen. Eine Zentralbank hat normalerweise eine oder mehrere Zielsetzungen, die sie erreichen will. Zu den häufigsten zählen:
– Inflationsziel: Die Inflation soll einen bestimmten Wert annehmen, z.B. 3%. Ein langsames Ansteigen der Preise gilt als wünschenswert, da es das Nicht-Investieren von Geld bestraft; steigen die Preise zu schnell, verwenden die Wirtschaftsteilnehmer zu viel Mühe darauf, der Inflation zu entgehen, und produzieren daher weniger als sie könnten. Eine konstante Inflation macht die Veränderung des Geldwerts planbar, und Planbarkeit bedeutet Stabilität. Das Inflationsziel ist international die am häufigsten eingesetzte Richtlinie.
– Preisniveaustabilität: Ein Spezialfall des Inflationsziels, bei dem der Durchschnitt der Preise  sich möglichst kaum ändern soll. Der Durchschnitt der Preise wird in der Regel an einem festgelegten Warenkorb berechnet. Preisniveaustabilität ist eines der beiden Hauptziele der EZB, die darunter einen Anstieg des Harmonisierten Verbraucherpreisindexes (im Prinzip ein gewichteter Durchschnitt der nationalen Inflationsraten) von knapp unter 2%.
– geringe Arbeitslosigkeit: Die geringe Arbeitslosigkeit ist ein Ziel, das in gewissem Maß mit der Preisniveaustabilität kollidiert. Bei geringer Arbeitslosigkeit steigen tendenziell die Löhne stärker an, weil Arbeitskräfte knapper und damit begehrter sind; stärker steigende Löhne bedeuten mehr Kosten und damit etwas höhere Preise.
– Wirtschaftswachstum: Ziel ist im Normalfall kein möglichst hohes, sondern ein dauerhaft gutes, stabiles Wirtschaftswachstum. Wächst die Wirtschaft über einen Zeitraum zu schnell, kommt es bald unweigerlich zu einem Abschwung (mehr dazu in einem anderen Artikel). Zu den Fragen, was „zu schnelles Wachstum“ ist und mit welcher Geldpolitik man solides Wirtschaftswachstum erreicht, gibt es natürlich unterschiedliche Meinungen.
– Wechselkurs: Für die Wirtschaft kleiner Länder, die meist mehr Handel mit anderen Ländern treiben (müssen), können stabile Wechselkurse zu den wichtigsten Handelspartnern oder zum Dollar als Leitwährung von großer Bedeutung für die wirtschaftliche Stabilität sein. So verfolgt z.B. die Zentralbank von Singapur ein Wechselkursziel.
– Geldmenge: Der ökonomischen Schule des Monetarismus zufolge ist die Menge des in Umlauf befindlichen Geldes die wichtigste wirtschaftliche Stellschraube; die Geldmenge sollte dieser Theorie nach so schnell wachsen wie die Fähigkeit der Wirtschaft, Güter zu produzieren (= Produktionspotential). Die EZB verfolgt neben der Preisniveaustabilität auch das Ziel einer gleichmäßig wachsenden Geldmenge M3. Da die gesamte Geldmenge allerdings nur begrenzt von der Notenbank beeinflusst werden kann und einige Annahmen des Monetarismus‘ meines Erachtens fragwürdig sind (zum Beispiel dass die Privatwirtschaft von sich aus stabil sei), halte ich wenig von diesem Ansatz.

Das Standardwerkzeug: Leitzinsen
Welche Mittel setzt die Zentralbank ein, um ihre Ziele zu erreichen? Die gebräuchlichste Methode ist eine Änderung der drei Leitzinssätze, deren Höhe eng miteinander verbunden ist.
Der erste Leitzinssatz, der in den Nachrichten und der Umgangssprache oft als der Leitzins bezeichnet wird, ist der Hauptrefinanzierungssatz (Stand Februar 2013: 0,75%). Dabei handelt es sich um den Zinssatz, zu dem sich eine Geschäftsbank bei den regulären Auktionen Zentralbankgeld bei der Zentralbank leihen kann. Dieser Zinssatz hat für die reale Wirtschaft auch die größte Bedeutung, da Banken unterhalb dieses Zinssatzes normalerweise kein Geld verleihen. Zwar sind die Kredite, die Geschäftsbanken gewähren, Giralgeld, von dem sie ein Vielfaches ihrer Reserven an Zentralbankgeld erzeugen können; wird der Kredit aber als Bargeld ausgezahlt oder an eine andere Bank überwiesen, muss die Geschäftsbank Zentralbankgeld dafür aufbringen. Der Preis, zu dem die Geschäftsbank das Geld verleiht, ist also mindestens der, zu dem sie im ungünstigsten Fall selbst leihen muss.
Der zweite Leitzins ist der Spitzenrefinanzierungssatz. Dieser Zinssatz gilt für Geld, das eine Geschäftsbank sich kurzfristig und außerhalb einer Geldauktion von der Zentralbank leihen will oder muss. Die EZB setzt diesen Zinssatz normalerweise 1% über dem Hauptrefinanzierungssatz an, seit einiger Zeit beträgt der Abstand allerdings nur noch 0,75%; aktuell (Februar 2013) sind das also 1,5%.
Der dritte Leitzins ist der Einlagesatz, mit dem Geld verzinst wird, das die Bank auf ihrem Zentralbankkonto hält (Stand Februar 2013: 0,00%). Da er niedriger ist als der Hauptrefinanzierungssatz, ist es für Banken ungünstig, mehr Geld auf dem Zentralbankkonto zu haben als unbedingt nötig – denn mit dem Geld könnten ja auch EZB-Kredite zurückgezahlt und somit Zinsen gespart werden.
Aus diesem Grund leihen sich Geschäftsbanken gegenseitig Zentralbankgeld über den sogenannten Interbankenmarkt, wobei der Zinssatz zwischen dem Hauptrefinanzierungssatz und dem Einlagesatz liegt. Die verleihende Geschäftsbank kann nicht mehr verlangen als den Hauptrefinanzierungssatz, weil die leihende sich das Geld sonst bei der Zentralbank holen würde; andererseits hat sie keinen Grund, das Geld für weniger als den Einlagesatz zu verleihen. Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise brach der Interbankenmarkt allerdings zusammen: Geschäftsbanken liehen sich nichts mehr, weil keine Bank sich sicher war, ihr Geld von der anderen Bank zurückzubekommen. Deswegen verliehen die Zentralbanken damals riesige zusätzliche Summen bei den Geldauktionen, um den Bedarf aller Banken an Zentralbankgeld zu sichern.

Eine Erhöhung der Leitzinssätze (der Abstand zwischen den Leitzinsenssätzen ändert sich meist nicht) erhöht also die Kreditkosten für Privatpersonen und Unternehmen. Bei höheren Kosten für Kredite sind alle zurückhaltender, Anschaffungen bzw. Investitionen über Kredite zu finanzieren. Die Nachfrage wird also geringer, damit sinkt das Wirtschaftswachstum (man sagt auch, die Wirtschaft „kühlt sich ab“). Das ist sinnvoll, wenn die Wirtschaft zu „überhitzen“ droht, also wenn zu viel Optimismus herrscht und mit leichtherzig aufgenommenen Krediten unsinnige Anschaffungen getätigt werden.
Umgekehrt sorgt eine Senkung der Leitzinsen für niedrigere Kreditkosten und damit mehr Konsum (= private Anschaffungen) und Investitionen und kann daher eine Wirtschaft stärken, in der die Nachfrage gerade zu gering ist.

Geldumlauf und Mindestreservesatz
Die Zentralbank kann aber nicht nur die Aufnahme von Krediten bremsen, sie hat auch Mittel, dem Markt wieder Geld zu entziehen: Zum einen haben die meisten Kredite, die die Zentralbank bei den Geldauktionen an die Geschäftsbanken vergibt, nur eine Laufzeit von einer Woche. Die Zentralbank kann also einfach weniger neue Kredite versteigern als sie zurückgezahlt bekommt. Zum anderen kann die Zentralbank verzinsliche Wertpapiere anbieten, die profitabler sind als das Halten von Zentralbankgeld, so dass Banken mit viel überschüssigem Zentralbankgeld diese vermutlich kaufen werden. Auf diese Art kann überschüssiges Geld schnell aus dem Verkehr gezogen werden.

Ein sehr weitreichender und darum seltener Eingriff ist eine Veränderung des Mindestreservesatzes: Wird er gesenkt, erhöht sich auf einen Schlag die Menge an Geld, die eine Bank mit einer bestimmten Summe Zentralbankgeld verleihen kann. Bei einer Halbierung dieses Satzes kann die Bank theoretisch sofort doppelt so viel Giralgeld in Form von Krediten erzeugen, ohne sich einen Cent Zentralbankgeld zusätzlich leihen zu müssen. Umgekehrt benötigen Geschäftsbanken auf einmal große Mengen zusätzliches Zentralbankgeld, wenn der Mindestreservesatz steigt. Ein höherer Mindestreservesatz gibt der Zentralbank mehr Einfluss auf den Geldmarkt und vergrößert ihre Einnahmen, erhöht aber zugleich für die Geschäftsbanken die Gesamtkosten für das Leihen von Zentralbankgeld, so dass diese entweder weniger Gewinn machen oder zum Ausgleich höhere Zinsen von ihren Kreditnehmern verlangen.

Unkonventionelle Maßnahmen
Die bisher beschriebenen Maßnahmen der Geldpolitik sind die, auf die die Zentralbank in normalen Zeiten zurückgreift. Ihr stehen aber auch weitreichendere Maßnahmen zur Verfügung, die zu Krisenzeiten genutzt werden können. Wenn beispielsweise in einer Volkswirtschaft selbst bei sehr niedrigen Zinsen niemand Kredite aufnehmen will, weil z.B. kein Unternehmen genügend Nachfrage nach seinen Produkten sieht, um investieren zu wollen, oder weil die Unternehmen zu hohe Schulden haben und sich nicht weiter verschulden dürfen, können Senkungen der Leitzinsen oder sogar des Mindestreservesatzes keine Wirkung mehr entfalten. Man bezeichnet diese Situation, wie sie z.B. in Japan die meiste Zeit seit 1990 oder in mehreren Ländern nach dem Einsetzen der Finanzkrise 2007/08 zu beobachten war oder noch ist, als Liquiditätsfalle. Wenn die Wirtschaft in der Liquiditätsfalle sitzt, kann die Zentralbank der Wirtschaft kein Geld mehr über die Geschäftsbanken zukommen lassen – denn die Geschäftsbanken verleihen selbst kein Geld mehr: Entweder weil niemand sich etwas leihen will oder weil die Banken den potentiellen Kreditnehmern das Zurückzahlen der Kredite nicht oder nicht mehr zutrauen.
Ein Grund für eine geringe Kreditvergabe können schlechte Bankbilanzen sein – dass die Geschäftsbanken also selbst Schulden abbauen wollen oder müssen, und daher keine Risiken eingehen wollen. In dem Fall kann die Zentralbank den Banken mehr Geld zur Verfügung stellen, indem sie ihnen Wertpapiere wie Staatsanleihen oder Forderungen an Schuldner komplett abkauft, anstatt sie nur als Sicherheit für Kredite zu akzeptieren.
Wenn auch diese Maßnahme nicht hilft, z.B. weil es wie oben erwähnt an Nachfrage mangelt, bleiben der Zentralbank immer noch Möglichkeiten:
– Sie kann ein höheres Inflationsziel festlegen und mit geldpolitischen Maßnahmen verfolgen. Höhere Inflation entwertet die vorhandenen Schulden schneller, so dass Unternehmen wieder kreditfinanzierte Investitionen tätigen können.
– Sie kann mit frisch erzeugtem Geld große Mengen Fremdwährung am Geldmarkt aufkaufen. Dadurch kommt mehr Geld in eigener Landeswährung auf den Markt, wodurch der Kurs fällt. Das hat zwei Vorteile: Zum einen werden einheimische Waren am internationalen Markt billiger, was den Export stärkt und damit die Wirtschaftstätigkeit belebt. Zum anderen werden ausländische Waren teurer, was die Inflationsrate erhöht.
– Sie kann dem Staat die Kreditaufnahme erleichtern, indem sie entweder Staatsanleihen zu einem festgesetzten Kurs aufkauft und dadurch die Zinsen für die Anleihen senkt, oder indem sie ihm die Staatsanleihen direkt abkauft. Letzteres bezeichnet man umgangssprachlich als „Geld drucken“ des Staates; vielen Zentralbanken ist das aus Angst vor Inflationsgefahr allerdings verboten. Mit den Krediten, die der Staat aufnimmt, kann er die Wirtschaftstätigkeit durch Bauvorhaben z.B. für bessere Infrastruktur oder Steuersenkungen (für wen hängt davon ab, ob man auf Angebots- oder Nachfrageökonomen hört) ankurbeln.

Es scheint auf den ersten Blick widersinnig, eine durch hohe Schulden ausgelöste Situation durch mehr Schulden zu bekämpfen. Allerdings gelang ein Schuldenabbau geschichtlich gesehen immer nur in Aufschwungphasen, nie während einer Rezession (und die Liquiditätsfalle tritt nur in wirtschaftlichen Schwächephasen auf). Außerdem fließen die Kredite durch solche Maßnahmen direkt an die Kreditnehmer und nicht über den Umweg der Geschäftsbanken, die die Kredite eben nicht vergeben würden. Zur Schuldenproblematik und wie man damit umgehen sollte komme ich erst, wenn ich noch einige Grundlagen erwähnt habe.

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11 Kommentare

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  1. Stefan Wehmeier / Feb 8 2013 14:51

    Leistungslose Kapitaleinkommen

    Der Kapitalismus (Zinsumverteilung von der Arbeit zum Besitz) lässt sich nicht beseitigen, indem „der Staat“ den Reichen etwas wegnimmt („Auge um Auge, Zahn um Zahn“), sondern indem er ausnahmslos allen arbeitswilligen Menschen, die bisher am marktwirtschaftlichen Wettbewerb gehindert oder von ihm ausgeschlossen waren, es durch geeignete wirtschaftliche Rahmenbedingungen ermöglicht, den Reichen Konkurrenz zu machen („…wenn dich jemand nötigt, eine Meile mitzugehen, so geh mit ihm zwei.“)!

    Die Frage ist dabei nicht, ob es eine „Geldschöpfung der Geschäftsbanken“ gibt (es gibt keine), sondern warum „staatlich geprüfte Experten“ diesen Schwachsinn postulieren und warum es Schwachköpfe gibt, die den „Experten“ glauben:

    Anfang und Ende von Gut und Böse

    Es gibt genau zwei Ursachen für leistungslose Kapitaleinkommen, die aufgrund religiöser Verblendung (künstliche Programmierung des kollektiv Unbewussten) gänzlich unreflektiert aus der Antike übernommen wurden und damit den eigentlichen Beginn der menschlichen Zivilisation, die Natürliche Wirtschaftsordnung (echte Soziale Marktwirtschaft), bis heute verhinderten: Die Verwendung von hortbarem Geld, das den Urzins erpresst, und ein privates Bodeneigentumsrecht, das die Bodenrente nicht der Allgemeinheit zukommen lässt. Alle weiteren Formen leistungsloser Kapitaleinkommen (Sachkapitalzins, Spekulationsgewinne) sind davon abgeleitet und können ebenfalls nur durch eine freiwirtschaftliche Geld- und Bodenreform eigendynamisch auf Null geregelt werden:

    Geldtheorie

    • AL / Feb 8 2013 16:26

      Dein Kommentar spricht jede Menge Fragen an 🙂 Ich bin mir sicher, dass unsere jetzige Art des Wirtschaftens alles andere als optimal ist und deutliche Veränderungen benötigt, aber heißt das jetzt, dass man den Kapitalismus abschaffen muss (und wo siehst Du den Unterschied zwischen Kapitalismus und Marktwirtschaft?)? Wenn nein, dann ist Umverteilung des Staates durchaus eine vernünftige Lösung und hat wenig mit „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ zu tun. Ich glaube auch nicht, dass das reine Ermöglichen von Konkurrenz so viel weiterhilft: Zum einen der Marktmacht wegen und zum anderen weil der Markt blind für gesellschaftliche Interessen ist, die nicht über Geld ausgedruckt werden können. Der von mir sehr geschätzte Kabarettist Volker Pispers hat es mal schön auf den Punkt gebracht: „Stellen Sie sich vor, morgen fallen alle Unternehmensberater, alle Investmentbanker und alle Aktienanalysten tot um. Und jetzt stellen Sie sich vor, morgen fallen alle Krankenschwestern, alle Polizisten, alle Feuerwehrleute und alle Altenpfleger tot um. Und jetzt überlegen Sie kurz, was Sie persönlich mehr vermissen würden.“ Man darf meines Erachtens nie den Fehler begehen, Wirtschaft und Gesellschaft gleichzusetzen.

      Stichwort „Geldschöpfung der Geschäftsbanken“: Geschäftsbanken schöpfen kein Zentralbankgeld, also kein offizielles Zahlungsmittel. Aber sie schaffen Giralgeld und geben uns die Möglichkeit, es jederzeit zu nutzen wie Zentralbankgeld, indem sie es jederzeit in Zentralbankgeld umtauschen. Es erfüllt also im Alltag die Funktionen von Geld, genauso wie Schuldscheine angesehener Unternehmen in manchen Situationen als Zahlungsmittel akzeptiert wurden. Motto: „If it looks like a duck, swims like a duck, and quacks like a duck, then it probably is a duck.“ Ergo verfügen Banken de facto über die Möglichkeit, Geld zu schöpfen (Details siehe Woher kommt unser Geld? – Teil 2: Wie Geld entsteht).

      Was Deine Aussagen zu leistungslosen Kapitaleinkommen angeht – ich mag Postulate wie die „Natürliche Wirtschaftsordnung“ nicht. Da kommt man zu leicht bei Konstrukten wie dem universellen Tauschhandel vor Einführung des Geldes oder dem von Hobbes proklamierten Urzustand des Krieges aller gegen alle raus und verwechselt dann das theoretische Konstrukt mit der Realität. Außerdem ist doch nicht die Frage, ob eine Wirtschaftsordnung natürlich ist oder nicht, sondern ob sie den Interessen der Gesellschaft dient. Ansonsten gebe ich zu, mich mit Freiwirtschaft als Alternativkonzept bislang nur wenig beschäftigt zu haben; allerdings bin ich überzeugt, dass es mehr als ein gesellschaftsdienliches Wirtschaftsmodell gibt, man muss aber jede Variante in den Details an die Interessen der Gesellschaft anpassen. Außerdem muss das Wirtschaftssystem zur Lebensweise der Menschen passen – was gut für die ersten Bauern war, muss nicht zwangsläufig gut für uns sein.

      • Stefan Wehmeier / Feb 25 2013 03:27

        Vielleicht hilft Ihnen der folgende Artikel, um einige Ihrer zahlreichen Vorurteile abzubauen:

        Marktgerechtigkeit

      • AL / Feb 25 2013 09:52

        Ein interessanter Artikel, vielen Dank für den Hinweis! Beim Durchlesen ist mir allerdings (wieder) aufgefallen, dass Sie und ich einige unterschiedliche Grundannahmen haben und deswegen zwangsläufig zu anderen Ergebnissen kommen. Leider muss ich eine Diskussion über unsere unterschiedlichen Prämissen auf ein andermal verschieben, gerade ist die Zeit bei mir etwas knapp.

      • Stefan Wehmeier / Feb 26 2013 21:20

        „…einige unterschiedliche Grundannahmen…“

        Manchmal hilft eine Behandlung:

        Behandlung eines Privatpatienten

      • AL / Feb 27 2013 11:08

        Sehr geehrter Herr Wehmeier,
        wenn das von Ihnen verlinkte Dokument einen authentischen Mailwechsel wiedergibt, dann neigen Sie offenkundig dazu, schnell beleidigend („Entschuldigen Sie bitte, dass ich Ihren Restverstand noch weit überschätzt hatte“) und damit unkonstruktiv zu werden. Das ist bedauerlich, denn es schadet der Sache und ist konstruktiver Diskussion abträglich.
        Ich habe mir die Zeit genommen, Ihr PDF „Soziale Marktwirtschaft“ zu lesen. Mein Fazit: Vielleicht haben Sie Recht, vielleicht nicht. Leider lässt sich das aus jenem Text aber nicht bestimmen, da er sich für mich als Außenstehenden (bezüglich der Freiwirtschaft und Ihrer Aussagen) eher wie eine Aneinanderreihung von sich aufeinander beziehenden Behauptungen liest denn wie eine schlüssige Argumentationskette. Sie mögen darauf antworten, dann sei ich zu dumm, das zu verstehen. Selbst wenn das der Fall wäre, wäre das dennoch ein Hinweis darauf, dass Ihr Text für einen signifikanten Teil der Bevölkerung nicht verständlich genug geschrieben ist. Um wieder Bezug auf das verlinkte Dokument zu nehmen: Als Lehrer wird nicht jeder akzeptiert, der sich hinstellt und sagt „hört her, ich weiß Bescheid und erklär‘ euch was“, sondern jener, der seine Zuhörer argumentativ überzeugen kann.
        Daher ein konstruktiv gemeinter Hinweis: Wenn Sie etwas erklären wollen, versetzen Sie sich gedanklich in die Lage einer Person, für die das Thema momentan noch völlig fremd ist. Schaffen Sie dann in Ihrem Text die Grundlagen, die diese Person benötigt, um Sie zu verstehen. Und dann erklären Sie Schritt für Schritt und argumentativ zwingend. Das ist natürlich ein Ideal, von dem ich für mich nur sagen kann, dass ich danach strebe, ich weiß aber nicht, inwieweit ich es erreiche (Betriebsblindheit).
        Was bei mir ankommt ist, dass Sie Ihre Ideen für zwingend richtig und intrinsisch überzeugend halten. Das freut mich für Sie, aber es reicht eben nicht, um auch andere zu überzeugen. Wenn die „Schüler“ das Wort des „Lehrers“ nicht verstehen, gibt es zwei Möglichkeiten: Die Schüler sind allesamt zu dumm oder der Lehrer hat nicht ausreichend gut erklärt. Ich überlasse Ihnen das Urteil, was davon wahrscheinlicher ist.

        Mit trotz aller Meinungsverschiedenheit aufrichtig freundlichen Grüßen und besten Wünschen,
        Achim Lorenz

      • Stefan Wehmeier / Feb 27 2013 12:06

        „…wenn das von Ihnen verlinkte Dokument einen authentischen Mailwechsel wiedergibt, dann neigen Sie offenkundig dazu, schnell beleidigend (“Entschuldigen Sie bitte, dass ich Ihren Restverstand noch weit überschätzt hatte”) und damit unkonstruktiv zu werden.“

        Wenn Sie den Mailwechsel, der authentisch ist, gelesen haben, hätten Sie feststellen müssen, dass die „Beleidigung“ in diesem Fall alles andere als unkonstruktiv war. Auch in Ihrem Fall könnte ich schreiben: „Entschuldigen Sie bitte, dass ich Ihren Restverstand noch weit überschätzt hatte, daher die bisherigen Missverständnisse“ – doch ich wiederhole mich nur ungern. Ich kann Ihnen nur empfehlen, den gesamten Inhalt von Der Weisheit letzter Schluss zu lesen. Es wird dort alles – sofern es das menschliche Zusammenleben im weitesten Sinne betrifft – allgemeinverständlich und absolut fehlerfrei erklärt. Alles, was davon abweicht, ist Unsinn; alles, was Ihnen daran zunächst „nicht gefällt“ oder Ihnen „unverständlich“ erscheint, reflektiert nur Ihre eigenen Vorurteile und Denkfehler, die Sie unreflektiert von anderen noch unbewussten Menschen übernommen haben, um mit Ihrer Existenz in „dieser Welt“ (Zinsgeld-Ökonomie, zivilisatorisches Mittelalter) irgendwie klarzukommen.

  2. Robert / Feb 23 2013 17:10

    Sehr informativer Beitrag.

    Ich hätte da eine Frage, die der Serie über die Inflation bei mir offen geblieben ist. Was wird von den Montaristen auf die hier genannte Möglichkeit erwidert, dass die Zentralbank im Fall von Inflationstendenzen das Geld, wie hier im Artikel angesprochen, einfach wieder aus dem Umlauf nimmt.

    Grüße

    • AL / Feb 24 2013 17:49

      Danke schön, sowohl für das positive Feedback als auch für eine sehr gute Frage. Ich habe eine ganze Weile gesucht, allerdings keine wirkliche Antwort gefunden. Vermutlich würde ein Monetarist antworten, dass die Zentralbank das zusätzliche Geld wieder aus dem Umlauf nehmen sollte, es aber nicht oder nicht schnell genug tun wird; oder dass sie es evtl. auch nicht einfach so tun kann, weil die Wirtschaftsteilnehmer sich bei ihren Entscheidungen darauf verlassen, dass mehr Geld im System vorhanden ist, und dass das Entziehen des Geldes daher kurzfristig Instabilität mit sich bringen wird.
      Aber ehrlich gesagt bin ich nicht tief genug in den Monetarismus eingetaucht, um eine zuverlässige Antwort liefern zu können. Meines Erachtens stecken seine Grundannahmen voller Fehler, und daher hatte ich bislang nicht die Motivation, weiter in die Details vorzudringen. Ich werde mich trotzdem weiter nach einer Antwort auf die Frage umsehen.

      • heineroderkeiner / Feb 25 2013 08:43

        Danke für die Antwort. So in etwa könnte ich mir auch die monetaristische Erwiderung vorstellen, dass die kurzfristigen Folgen unabsehbar seien. Diese Antwort läuft doch dann aber wieder dem Grundauftrag der Geldpolitik entgegen, sich nur um die Geldmenge zu kümmern.

        Ich freue mich schon auf die nächsten Blogbeiträge.

        Grüße
        Robert

      • AL / Feb 25 2013 10:10

        Der Monetarist würde auf diesen Einwand vermutlich antworten, dass die negativen Folgen der Geldmengenausweitung zuzuschreiben seien und nicht dem Gegensteuern und dass alles in bester Ordnung wäre, hätte man bloß die Geldmenge von Anfang an konstant (oder dem Produktivitätswachstum angepasst) gehalten. Aber das ist auch wieder nur eine Vermutung von mir, und wahrscheinlich sollte ich mich mit solchen Äußerungen zurückhalten, bis ich die Denkweise der Monetaristen besser verstehe.
        Ich hoffe, ich komme heute oder morgen dazu, wieder einen Artikel zu posten, auch wenn nach Murphys erweitertem Gesetz alles immer länger dauert als man denkt.
        Grüße,
        Achim

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