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23. April 2014 / AL

Schulden – Teil 1: Der Zusammenhang von Schulden und Vermögen

„Zu große Eile bei der Rückzahlung eines Darlehens ist ein Zeichen von Undank.“
François VI. Duc de La Rochefoucauld (1613 – 1680), französischer Offizier, Diplomat und Schriftsteller

„Schluss mit Schulden“ forderte die FDP im vergangenen Bundestagswahlkampf auf ihren Plakaten. Einzelwirtschaftlich betrachtet klingt das zunächst einmal gut, nach solidem Wirtschaften, nach dem Verzicht darauf, über seine Verhältnisse zu leben. Gesamtwirtschaftlich betrachtet hätte die FDP aber genauso gut „Schluss mit Vermögen“ oder „Schluss mit Guthaben“ schreiben können. Denn rein technisch gibt es kein Guthaben und kein Geld, dem nicht Schulden in gleicher Höhe gegenüberstehen. Im ersten Moment klingt das reichlich merkwürdig, aber auf den zweiten Blick stellt man schnell fest, dass es in unserem Geldsystem gar nicht anders sein kann.

Das „echte“ Geld
Fangen wir dort an, wo Geld entsteht – bei der Zentralbank. Das Zentralbankgeld – das einzig gesetzliche Zahlungsmittel – existiert nur in zwei Formen: Entweder als Bargeld oder als Gutschrift auf den Konten der Geschäftsbanken bei der Zentralbank. 1000 € auf einem solchen Konto bedeuten, dass die Zentralbank der Geschäftsbank auf Wunsch 1000 € in Bargeld auszahlen muss; die 1000 € sind für die Geschäftsbank Guthaben und für die Zentralbank Schulden. Wie in einem früheren Artikel erwähnt, erhält aber die Geschäftsbank eine Gutschrift auf ihrem Konto nur als Kredit und gegen das Hinterlegen entsprechender Sicherheiten. Also befinden sich die 1000 € nur auf dem Konto der Geschäftsbank, weil sie bei der Zentralbank Schulden in gleicher Höhe aufgenommen hat; für die Zentralbank sind die 1000 € auf dem Konto Schulden, aber sie hat Forderungen in gleicher Höhe an die Geschäftsbank. Guthaben und Schulden gleichen sich also perfekt aus.
Was ist aber mit Bargeld? Auf den ersten Blick stehen 1000 € Bargeld keine Schulden gegenüber. Allerdings erhält die Geschäftsbank 1000 € Bargeld nur im Tausch gegen 1000 € Zentralbankgeld von ihrem Konto bei der Zentralbank – dem wiederum Schulden gegenüberstehen. Auch für jedes bisschen Bargeld gibt es also irgendwo im Geldsystem entsprechende Schulden. Die Summe aller Schulden und die Summe aller Guthaben sind auch unter Einbeziehung des Bargelds identisch.

Guthaben
Wenn dem Geld, das die Banken auf den Zentralbankkonten haben, Schulden gegenüberstehen, und das sogar bei Bargeld der Fall ist, wie sieht es dann mit dem Geld auf unserem Konto aus? Nun, es ist ein Guthaben, das wir bei der Bank haben – also ein Guthaben gegenüber der Bank, dem damit logischerweise Schulden der Bank bei uns gegenüberstehen. Wenn wir alles Geld von unserem Konto abheben, heißt das nichts anderes, als dass die Bank nun kein Geld mehr an uns auszahlen muss, also ihre Schulden beglichen hat.
Genauso sieht es mit allen anderen Guthaben aus – man hat sie bei der Sparkasse oder bei Herrn Maier oder hat eine Forderung ihnen gegenüber, was nichts anderes heißt, als dass Herr Maier oder die Sparkasse einem auf Verlangen Geld geben muss. Und aus Sicht von Herrn Maier bzw. der Sparkasse sind unsere Guthaben seine bzw. ihre Schulden. Und genauso sieht es mit jedem anderen Guthaben überall auf der Welt aus – jeder Herr Maier, bei dem ich ein Guthaben habe, hat bei mir Schulden, jede Bank hat Schulden bei dem Unternehmen, das ein Konto bei ihr hat, jedes Unternehmen hat Schulden gegenüber dem Lieferanten, der noch eine Forderung hat und so weiter und so fort.
Genauso ist es auch mit Geldanlagen: Unsere Lebensversicherung, unser Bausparvertrag, unsere Altersvorsorge – alle unsere Guthaben sind für unseren Geschäftspartner Schulden, die irgendwann bezahlt werden müssen.
Daraus folgt etwas, das im ersten Augenblick bizarr klingt: Das Nettogeldvermögen der Welt, also die Summe aller Geldvermögen auf der Welt abzüglich aller Schulden, ist zu jedem Zeitpunkt genau Null. Wenn alle Schulden vollständig bezahlt würden, wäre kein einziger Cent Geld mehr übrig.
Geldvermögen ist Schulden, Schulden sind Vermögen. Immer. Überall. Weswegen es auch ausgesprochen lustig ist, wenn in den Nachrichten die Meldung kommt, trotz der Schuldenkrise sei das Geldvermögen der Deutschen gewachsen. Anders herum wird ein Schuh draus: Das Geldvermögen kann nur wachsen, wenn es irgendwo mehr Schulden gibt.

Wo steckt das Vermögen?
Die Tatsache, dass das Nettogeldvermögen der Welt immer Null klingt, erscheint uns vor allem deswegen absurd, weil es an so vielen Orten auf der Welt enormen Wohlstand gibt. Und heißt Wohlstand nicht, dass man viel oder zumindest genügend Geld hat?
Gegenfrage: Kann man Wohlstand schaffen oder Armut bekämpfen, einfach indem man nur Geld druckt? Intuitiv würden die meisten Leute darauf mit „Nein“ antworten, da man sich von dem Geld ja auch etwas kaufen können muss. Und sie haben damit völlig Recht. Wohlstand entsteht nicht durch Geld, sondern durch Waren und Dienstleistungen, also durch Güter, die man nutzen kann und die die Lebensqualität verbessern. Geld ist nur das Tauschmittel, durch das man an diese Dinge gelangen kann. Und Geld hätte absolut keinen Wert, wenn wir es nicht für Dinge eintauschen könnten.
Das Vermögen steckt also in den Gegenständen und Dienstleistungen, die wir geschaffen haben. Es steckt zum Beispiel in dem Computer, auf dem ich diesen Artikel schreibe, als Gegenstand, und in dem Schreibprogramm, das ich benutze, als Dienstleistung. Aus diesem Grund ist es auch viel sinnvoller, beim Nachdenken über die Wirtschaft an Güter zu denken als an Geld. Manche Dinge, die in Geldbegriffen sehr sinnvoll scheinen, werden absolut unsinnig, wenn man sie unter dem Gesichtspunkt der Güter betrachtet. Zum Beispiel klingt es toll, über einen hohen Exportüberschuss viel Geld ins Land zu bekommen; wenn man aber feststellt, dass wir viele Güter ins Ausland liefern und dafür im Prinzip nur Schuldscheine bekommen, die für sich gesehen keinen praktischen Wert haben, wirkt es nicht mehr ganz so klug.

Vermögen ohne Schulden?
Die Tatsache, dass Geldvermögen und Schulden sich gegenseitig bedingen, ergibt sich wie oben erwähnt aus unserem Geldsystem. Das heißt aber auch, dass man sie ändern könnte, wenn man die Regeln unseres Geldsystems ändern würde. Rein theoretisch ist es für die Zentralbank kein Problem, nach einer entsprechenden Änderung der Statuten auf Konten Geld gutzuschreiben, ohne dafür eine Sicherheit und eine Rückzahlung zu einem bestimmten Zeitpunkt zu fordern (alle Gutschriften auf den Zentralbankkonten der Geschäftsbanken sind ja nach aktuellen Regeln Kredite). Oder die Zentralbank könnte dem Staat eine gewisse Summe Geldes gutschreiben, ohne dass dieser es jemals zurückzahlen müsste. Entgegen oft wiederholter Beteuerungen würde das auch nicht unbedingt für mehr Inflation sorgen.
Wäre das also sinnvoll? Darauf gibt es zwei Blickwinkel – den rein technischen und den praktischen.

Rein technisch macht es keinen Unterschied, ob ich jemandem Geld gebe und dafür einen Gegenwert bekomme, oder ob ich als Zahlung für den Gegenwert etwas von seinen Schulden streiche. Geld, egal ob mit positivem Vorzeichen (Guthaben) oder negativem (Schulden), ist Tauschmittel und ein Maß für Wert. Ob eine Wirtschaft auf Guthabenbasis, Kreditbasis oder einer Mischform aus beidem funktioniert, sollte keine Rolle spielen. Geld muss nur ausreichend begehrt und damit ausreichend knapp sein, um als Tauschmittel zu dienen, deswegen sollte nicht zu viel in Umlauf sein (was eher gegen zusätzliches Geld ohne Schulden spricht). Fertig.

In der Praxis gibt es aber einen deutlichen Unterschied zwischen Guthaben und Schulden als Tauschmittel. Zum einen haben Schulden für viele Menschen etwas moralisch Anrüchiges: Wer Schulden hat, kann wohl nicht mit Geld umgehen, wird als leichtsinnig oder verschwenderisch angesehen – unabhängig davon, ob es gute Gründe gab, die Schulden aufzunehmen. Schulden, die man nicht oder nur unter Mühen bezahlen kann, sind ein viel größerer sozialer Makel als wenig Geld. Zum anderen können Schulden einen Menschen dazu zwingen, Besitztümer weit unter Wert zu verkaufen, um fällige Schulden zu begleichen, egal, ob der Kreditgeber das Geld gerade braucht oder nicht. Schulden schaffen also ein Machtgefälle, das ein niedriger Kontostand nicht in vergleichbarem Maß schaffen kann, und das gesellschaftlich vielleicht nicht wünschenswert ist.
Ein weiterer Punkt ist die Vermögenskonzentration: Einer Untersuchung des Tax Justice Network zufolge liegen zwischen 21 und 32 Billionen Euro in Steueroasen – Geld, das sich in den Händen weniger Reicher und Superreicher befindet und dem entsprechende Schulden gegenüberstehen müssen. Die Besitzer dieses Vermögens haben oft mehr Geld, als sie jemals vernünftig ausgeben könnten, versuchen aber trotzdem, noch mehr anzuhäufen (warum sonst es in Steueroasen verstecken?). Wenn der psychologisch nachvollziehbare Drang von Menschen, möglichst große Vermögen anzuhäufen, gleichzeitig das Entstehen ebenso großer und potentiell problematischer Schuldenberge bedingt, ist es vielleicht notwendig, zumindest einen Teil dieser nicht mehr im Umlauf befindlichen Guthaben zu ersetzen. Allerdings ist dieser Ansatz nur eine von mehreren Lösungsmöglichkeiten für dieses Problem.

Bis die Regeln unseres Geldsystems geändert werden, gilt der eherne Grundsatz: Geldvermögen und Schulden sind zwei Seiten ein und derselben Medaille. Daraus ergibt sich eine zugleich logische und politisch unerwünschte Botschaft: Schuldenkrisen lassen sich nicht einfach durch Kürzungen lösen. Wer Schuldenberge abbauen will, muss gleichzeitig etwas gegen Vermögensberge tun – was auch volkswirtschaftlich oft sinnvoll ist.

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11 Kommentare

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  1. thewisemansfear / Nov 22 2014 21:52

    Schöner Beitrag, kleine inhaltliche Korrektur dazu:
    „Das Zentralbankgeld – das einzig gesetzliche Zahlungsmittel – existiert nur in zwei Formen: Entweder als Bargeld oder als Gutschrift auf den Konten der Geschäftsbanken bei der Zentralbank.“
    Lediglich Bargeld ist gesetzliches Zahlungsmittel, das ZBGeld auf den ZB-Konten der Geschäftsbanken zählt nicht dazu. Ich habe das früher auch ab und zu in einen Topf geworfen…
    Auch wird die Geschäftsbank nie selbst eine Bargeldauszahlung anfordern, sondern die Kundenwünsche „durchreichen“. Das GB-Giralgeld der Kunden kann auf Wunsch in Bargeld gewandelt werden (und anders herum). Damit einher geht ein Abfluss (Zufluss) von Zentralbankgeld. Das sind aber zwei getrennte Töpfe, die sich nicht miteinander vermischen.
    Hier findet man das sehr gut erklärt: http://wiki.piratenpartei.de/AG_Geldordnung_und_Finanzpolitik/ThemaGesetzlichesZahlungsmittel

    Da Sie vom „echten“ Geld sprechen: Für den normalsterblichen Bürger stellt auch das Guthaben auf dem Konto echtes Geld dar. Per Überweisung kann ohne Einbußen am Wirtschaftsleben teilgenommen -, Güter und Dienstleistungen eingekauft und Schulden beglichen werden. Dass die GBn im Hintergrund die entstehenden Salden in ZBGeld ausgleichen, hat mit der Struktur des heutigen Geldsystems zu tun.
    Denn das ist hierarchisch aufgebaut. Aus Kundensicht handelt es sich bei den Guthaben auf ihrem Konto um Geld (Forderung gegen die Bank), aus Bankensicht handelt es sich um eine Verbindlichkeit. Zentralbankgeld ist wiederum für Geschäftsbanken „Geld“, bzw. eine Forderung gegen die ZB. Aus Sicht der ZB ist es eine Verbindlichkeit.
    Wir Nutzer können nun relativ frei entscheiden, ob wir mit Forderungen gegen die GB oder die ZB unsere Abmachungen begleichen. Der rechtliche Status „gesetzliches Zahlungsmittel“ macht die ganze Sache nun etwas vertrackt, aber „echt“ und „unecht“ sind Begrifflichkeiten, die leicht in die Irre führen.

    • AL / Nov 23 2014 11:27

      Vielen Dank für den Kommentar! Ich musste natürlich gleich mal nachlesen und gebe Ihnen Recht:
      § 14 Abs.1 Bundesbankgesetz (Notenausgabe)
      „Die Deutsche Bundesbank hat unbeschadet des Artikels 128 Abs.1 des Vertrages über die Arbeitsweise der Europäischen Union das ausschließliche Recht, Banknoten im Geltungsbereich dieses Gesetzes auszugeben. Auf Euro lautende Banknoten sind das einzige unbeschränkte gesetzliche Zahlungsmittel.“
      Sogar Münzen müssen aus praktischen Gründen nur in einem gewissen Umfang angenommen werden, und auch bei Geldscheinen mit hohem Nennwert (200 €, 500 €) darf die Annahme verweigert werden, wenn der zu begleichende Betrag sehr viel niedriger ist (der Händler könnte sonst auf Dauer zu wenig Wechselgeld zur Verfügung haben).

      Trotzdem zwei Anmerkungen (mit denen ich bei Ihnen sicher sperrangelweit offene Türen einrenne, aber einfach als Ergänzung für andere Leser):
      – Die Unterscheidung zwischen Bargeld und Zentralbankgeld auf den Konten der Geschäftsbanken in gesetzliches Zahlungsmittel bzw. nicht gesetzliches Zahlungsmittel ist ein juristischer, kein praktischer: Unbares Zentralbankgeld und Bargeld sind jederzeit und in vollem Umfang gegeneinander eintauschbar, sobald man als Bank ein Zentralbankkonto hat. Juristisch gesehen könnten die Banken voneinander fordern, Überweisungen von Kunden einer anderen Bank an ihre Kunden mit gesetzlichem Zahlungsmittel (also Bargeld) zu begleichen, aber da das nicht nur unpraktisch wäre, sondern da sie von der Zentralbank auch jederzeit Bargeld für ihre Zentralbankguthaben bekommen können. Zentralbankguthaben können nicht „verloren gehen“, weil die Zentralbank eben nicht pleite gehen kann.
      – Das gilt nicht für das Giralgeld bei den Geschäftsbanken: Es ist zwar für praktische Belange tatsächlich „echtes Geld“, aber nur solange die Geschäftsbank zahlungsfähig ist. Sobald die Geschäftsbak pleite geht, ist das Geld gefährdet. Giralgeld ist, wie Sie schreiben, eine Forderung des Kunden gegen die Bank. Forderungen können ausfallen, Geld nicht. In dieser Hinsicht ist Giralgeld also „unecht“. Auf dem – sonst sehr guten! – Wiki der Piratenpartei fehlt mir die klare Unterscheidung zwischen unbarem Giralgeld und unbarem Zentralbankgeld.

      „Auch wird die Geschäftsbank nie selbst eine Bargeldauszahlung anfordern, sondern die Kundenwünsche “durchreichen”.“ Ich verstehe Sie da so, dass die Geschäftsbanken nicht für sich selbst Bargeld von der Zentralbank anfordern werden, sondern nur, um es Kunden auszahlen zu können; da stimme ich dann natürlich zu.

      Ihren Blog finde ich übrigens sehr lesenswert 🙂

      • thewisemansfear / Nov 25 2014 20:01

        Danke für die Blumen 🙂
        Der Link gehört zur AG Geldordnung und Finanzpolitik, das ist ein eher loser Verbund an interessierten Leuten, auch mit Nicht-Piraten. Die haben es schwer genug, von der eigenen Parteispitze ernst genommen zu werden…
        Das war auch nur eine Seite eines riesigen Kompendiums, hier z.B. die Seite zum Thema „Wie kommt das Bargeld in die Welt?“ Man sieht schön den Unterschied zwischen ZB-Geld und GB-Giralgeld: http://wiki.piratenpartei.de/AG_Geldordnung_und_Finanzpolitik/AG_Konsens_Geldsch%C3%B6pfung2

        Ja, mit dem ZB-Geld ist das so eine Sache. Mit dem Hinweis auf die juristische Sicht haben Sie vollkommen recht, nur Sie wissen sicherlich auch, wie wichtig das Vertrauen der Teilnehmer ins „Geld“ ist, damit das System funktioniert. Eine ZB kann es sich schlicht nicht leisten, eine GB pleite gehen zu lassen, da die Schockwellen das ganze System zum Kollabieren bringen würden. Dann wäre auch „echtes“ Geld / Bargeld infrage gestellt. Mann nennt diese Problematik „too interconnected to fail“.

        Idee und Umsetzung Ihres Blogs sind ein wichtiges Puzzleteil vom Großen Ganzen. Die echten „Fachexperten“ werden ja zunehmend vom breiten Publikum nicht mehr verstanden, da hat sich schlicht eine zu große Wissenslücke aufgetan. Die Message von der einen Seite kommt auf der anderen nicht mehr rüber…

  2. Jens Sonnenschein / Apr 1 2015 01:56

    Meinem Verständnis nach beschreibt der Artikel lediglich den Zusammenhang zwischen Schulden und Geldvermögen und nicht dem Vermögen im Allgemeinen. Letztlich sind Sachwerte ja ebenfalls Vermögen, den – sofern sie ohne Forderungen sind – keine Schulden in gleicher Höhe gegenüber stehen. Liege ich falsch…?

    • AL / Apr 14 2015 10:36

      Nein, da liegen Sie vollkommen richtig, dieser Zusammenhang besteht nur zwischen Geldvermögen und Geldschulden. Geldschulden können natürlich aufgenommen werden, um den Aufbau von Sachwerten zu finanzieren, aber damit befasst sich der folgende Artikel.
      Bei genauerem Nachdenken ist es ironisch, dass man Sachwerte oft als eingefrorenes Geld betrachtet… denn eigentlich dient Geld ja nur dazu, Waren und Dienstleistungen zu erwerben, und hat keinen eigenen Nutzwert.

  3. kd2121 / Sep 13 2016 19:29

    Hallo dieser Text ist sehr hilfreich.
    Ich habe morgen Prüfung und weiss nicht wie ich diese Frage (Wieso müssen Schulden gleichgross sein wie das Vermögen?) in 1-2 Sätzen beantworten soll.
    Können Sie mir hier vielleicht helfen.

    Ich Danke Ihnen im Voraus und hoffe auf eine gute Antwort.

    • AL / Sep 13 2016 20:13

      Kurz zusammengefasst würde ich sagen: Weil jegliches Geld in Form von Krediten in Umlauf gebracht wird (von der Zentralbank als Kredit an die Geschäftsbanken, von den Geschäftsbanken als Kredit an die Kunden). Bei einem Kredit sind aber die Schuldsumme und die Summe des ausbezahlten Geldes gleich groß – mit Ausnahme der Zinsen, und die vergrößern die Schulden des Kreditnehmers um die gleiche Summe, um die sie auch das Vermögen des Kreditgebers erhöhen.
      Ich hoffe, das ist ausreichend knapp und ausreichend gut formuliert.
      Viel Glück bei Ihrer Prüfung morgen!

  4. Leo / Okt 7 2016 15:41

    Hallo zusammen,
    Super Artikel und auch Kommentare.
    Was mir noch fehlt ist die logische Konsequenz, dass so ein schuldgeldsystem auf Dauer nicht funktionieren kann.

    Das Problem ist der Zins und Zinseszinsefekt.
    Woher soll das ganze Geld für die Zinsen kommen? Natürlich Schulden bei irgendwem am Ende einer langen Kette. Ein entsprechender Artikel für jeden verständlich von ihnen wäre dazu sicher aufschlussreich.
    Wie das ganze Geldsystem (ja eigentlich ein Schneeballsystem) entstanden ist erklärt der Zeichentrickfilm „Goldschmied Fabian “ auf YouTube sehr einfach und anschaulich.

    Nochmal Glückwunsch und danke für den guten Artikel und die Kommentare.
    Leo

    • AL / Okt 9 2016 13:48

      Hallo Leo,

      danke für das Lob! Ich muss allerdings sagen, dass ich das Problem unseres Geldsystems nicht beim Zinsenzinseffekt sehe, sondern bei der Verteilung.
      Der Kreditnehmer hat Schulden in Höhe von Kreditsumme plus Zins (sagen wir 100 € + 3 €). Die Bank hat Forderung/Guthaben in Höhe von Kreditsumme plus Zins. Die Bilanz ist also ausgeglichen. In dem Moment, in dem der Schuldner die Kreditsumme zurückzahlt plus einen Zins, den er aus dem großen, in Umlauf befindlichen Geldfundus (sagen wir 100.000 €) erwirtschaftet hat, hat die Bank die 3 € dazugewonnen und der restliche Geldkreislauf die 3 € verloren, sodass sich nur noch 99.997 € im Umlauf befinden. Sobald die Bank die 3 € wieder für irgend etwas ausgibt, ist der Geldfundus wieder vollständig. Die Zinsen verschwinden nicht im Nichts, sondern die Bank nutzt sie, um irgend etwas dafür zu bekommen.
      Entscheidend ist in meinen Augen, was die Bank mit den 3 € macht: Wenn sie das Geld dauerhaft hortet, entzieht sie dem Geldkreislauf damit Geld und die im Umlauf befindlichen Schulden sind tatsächlich größer als das im Umlauf befindliche Geldvermögen – eben weil die Bank auf einem Teil des Vermögens sitzt. Das Problem sind also nicht die Zinsen an sich, sondern was mit ihnen gemacht wird. Wenn große Geldvermögen gehortet werden und damit aus den 100.000 € im Umlauf irgendwann nur 20.000 € werden, dann haben wir ein Problem, weil dann irgendwann wirklich zu wenig Geld da ist (und dann wäre auch egal, ob die Bank es gehortet hat oder irgend jemand anders). In der Praxis passiert das aber nicht.

      Verstehen Sie mich nicht falsch – man kann trefflich darüber streiten, ob das Geldsystem so organisiert sein sollte. Es gibt bestimmt bessere Ansätze. Aber das Geld wird durch das Zinssystem nicht automatisch knapper, denn wie oben ausgeführt sind Schulden und Guthaben sind immer noch gleich groß, die Bilanz ist nach wie vor ausgeglichen. Problematisch wird es erst, wenn man nicht mehr an Geld kommen kann, weil es in großen Mengen gehortet wird.

      Dazu sollte ich wirklich mal einen Artikel schreiben. Danke für den Hinweis!

  5. Eya J. / Feb 24 2017 17:07

    Hoch lebe die Revolution!!

    Leider wissen die Wenigsten wie fragil und willkürlich das Geldsystem aufgebaut wurde, zu archaischen Zeiten als die privaten Banken sich zusammenschlossen und den „Königen & Staatsoberhäuptern“ ein System aufdrängten welches diese nach wie vor vollständig kontrollieren. Die Geldschöpfung erfolgt offiziell von der Politik->Zentralbank, jedoch verfügen die Geschäftsbanken über genau dieselbe Geldschöpfungsmöglichkeit Geld aus dem Nichts zu buchen (einzig beschränkt durch die Reservesätze). Durch die Zinsschöpfung resultiert die Dynamik an den Währungs -/und Finanzmärkten, Arbeitslosigkeit, Inflation/Deflation, etc. Das Zinssystem versklavt die Menschheit per Definition da für deren Rückzahlung immer neues Geld geschaffen werden kann (= inflation, Entwertung, Arbeitslosigkeit). Bereichern tun sich die Hintermänner der Banken und hoffen, dass Ihr System weiterhin nicht an die Öffentlichkeit und den Pranger gezogen wird.

    Bin Kapitalist aber auch Humanist

    • AL / Mai 29 2017 15:23

      Das Zinssystem ist meines Erachtens nur einer von mehreren Faktoren, die Vermögen von unten nach oben verteilen; nur es abzuschaffen würde nichts bringen. Und man kann den Umverteilungseffekt des Zinssystems austarieren… wenn der Wille dazu besteht. Am dauerhaftesten problematisch ist in meinen Augen die ständige Vererbung des Reichtums – der Erbe erhält ein Vermögen, für das er keinerlei Gegenwert oder Leistung erbracht hat, und die Ungleichheit wird von Generation zu Generation weitergegeben.

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